Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Ein Weckruf zur rechten Zeit

Huch, die haben »Frie­den« gesagt. Und wider­set­zen sich dem Zei­ten­wen­de­geist. Die Auf­re­gung im Lager derer, die alles Heil in schran­ken­lo­ser Auf­rüs­tung sehen, könn­te grö­ßer kaum sein. Nicht schlecht für ein paar längst außer Dienst gestell­te lang­jäh­ri­ge Ehe­ma­li­ge und ihren Weck­ruf. Und seit wann wird eine Wort­mel­dung eigent­lich durch Alter und Lebens­er­fah­rung dis­qua­li­fi­ziert? War und ist das nicht in prak­tisch allen Kul­tu­ren eigent­lich eher ein Anlass, gut hin­zu­hö­ren? Hier­zu­lan­de anschei­nend nicht (mehr).

Nun, vor der Mei­nungs­bil­dung steht die Infor­ma­ti­on. Daher steht unten das gan­ze Mani­fest von SPD-Poli­ti­kern und ihnen nahe­ste­hen­den Krei­sen als PDF zum Nach­le­sen.[1]Ganz unter uns: Ich den­ke nicht, dass es die Reak­ti­vie­rung der Wehr­pflicht ver­hin­dern wird. Auch nicht, dass es die Stei­ge­rung der Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit der Bun­des­wehr auf ein ordent­li­ches Niveau … Wei­ter­le­sen …

Ich selbst fin­de dar­in grund­sätz­lich nichts, was ich nicht unter­schrei­ben könn­te. Tat­säch­lich rück­te eine SPD, die wie­der mehr auf eine bal­di­ge Been­di­gung des Ukrai­ne­krie­ges – und die Ver­mei­dung eines Krie­ges mit NATO-Betei­li­gung im Bal­ti­kum – mit diplo­ma­ti­schen Mit­teln dräng­te, für mich eher ein klit­ze­klei­nes Stück­chen in die Nähe von Wahl­bar­keit als jene, die sich gera­de aus der Not (der Uni­on) her­aus nun auf ein­mal in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung wie­der­ge­fun­den hat.

„Eine Alter­na­ti­ve zum Krieg gibt es immer, eine Alter­na­ti­ve zum Frie­den nicht!“

Wolf­gang Schnei­der­han, ehe­ma­li­ger Gene­ral und Gene­ral­inspek­teur der Bundeswehr

Vor die­sem Hin­ter­grund fin­de ich es auch ziem­lich belang­los, dass sich die Bun­des­tags­frak­ti­on von dem Papier distan­ziert. Dort hat man anschei­nend ver­ges­sen, wer sich in gro­ßen Zah­len schon seit lan­gem von der SPD als sol­ches distan­ziert. Muss ich wirk­lich das letz­te Bun­des­tags­wahl­er­geb­nis referieren?

Dass es den Kanz­ler in Schwie­rig­kei­ten brin­gen könn­te, ist eben­so abwe­gig. Sich in die Bre­douil­le zu brin­gen, das schafft Ankün­di­gungs­welt­meis­ter Merz ganz allein. Oder höchs­tens mit ein biss­chen Unter­stüt­zung von Steh­auf-Männ­chen Kling­beil. Jeden­falls brau­chen die dafür nicht ein paar abge­half­ter­te Alt-Sozis.

Mich deucht, es könn­te sogar sein, dass die­je­ni­gen, die nun von eini­gen mehr oder weni­ger unver­blümt als spin­ner­te, semi­se­ni­le, rück­wärts­ge­wand­te, geschichts­klit­tern­de Putin­ver­ste­her hin­ge­stellt wer­den, sehr viel bes­ser ver­ste­hen, wie das Volk tat­säch­lich tickt. Bes­ser jeden­falls als man­cher der­zei­ti­ger Amts- oder Man­dats­trä­ger und auch man­cher Medi­en­schaf­fen­der. Wenn hier jemand geschichts­ver­ges­sen ist, dann sind es die­je­ni­gen, die der Eska­la­ti­on das Wort reden. 

»Je län­ger der Krieg dau­ert, des­to schwie­ri­ger wird es, einen Ver­hand­lungs­frie­den zu erzielen.«

Gene­ral a. D. Harald Kujat (2023)

Etli­che Kom­men­ta­re lesen sich so, als hät­ten die Ver­fas­ser das Mani­fest ent­we­der nicht gele­sen oder nicht ver­stan­den. Oder beides.

Mei­ner Mei­nung nach gibt es nun end­lich mal wie­der Grund, sich auf einen SPD-Par­tei­tag zu freu­en. Könn­te span­nend werden.

SPD-Mani­fest-062025

Anmer­kun­gen

Anmer­kun­gen
1 Ganz unter uns: Ich den­ke nicht, dass es die Reak­ti­vie­rung der Wehr­pflicht ver­hin­dern wird. Auch nicht, dass es die Stei­ge­rung der Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit der Bun­des­wehr auf ein ordent­li­ches Niveau ver­hin­dern wird – was gut ist. Aber es sorgt am Ende viel­leicht dafür, dass die Kriegs­trom­meln wie­der lei­ser wer­den. Und dass in der öffent­li­chen Debat­te end­lich mehr beson­ne­ne Stim­men zu Wort kom­men. Und nicht nur die immer glei­chen klicks­brin­gen­den Schrei­häl­se jeder Couleur.

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert