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Krieg in Städten – Krieg in den Köpfen

Vor­bild für Hitz­acker an der Elbe? Israe­li­sche Infan­te­rie im Gaza­strei­fen. (Foto: Army Uni­ver­si­ty Press)

Ja, die­se Bun­des­wehr­ta­gung in Ber­lin bis ges­tern. Ob sie denn dort auch mal dar­über gere­det haben, was die Bun­des­wehr kön­nen müss­te, aber (noch) nicht kann? Wur­de viel­leicht gar mal ehr­lich dis­ku­tiert, ohne sich auf Foli­en und bei Flur­ge­sprä­chen der Lamett­a­trä­ger zum The­ma »Fähig­kei­ten« wei­ter was in die Tasche zu lügen?

Oder behaup­te­te da jemand immer noch ernst­haft, man kön­ne den bestehen­den und kom­men­den Auf­ga­ben mit ein paar Berufs­sol­da­ten und einer zusam­men­ge­los­ten Trup­pe bzw. aus mäßig moti­vier­ten Möch­teg­ern­teil­zeit­hel­den begeg­nen?[1]So wie der wan­kel­mü­ti­ge, maxi­mal fle­xi­ble Vor­sit­zen­de des Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses, Tho­mas Röwekamp (CDU), der erst für die Mili­tär-Lot­te­rie war und dann schon bald plötz­lich dage­gen? Was … Wei­ter­le­sen … Wur­de wie­der nur über (viel zu nied­ri­ge) Mann­stär­ken gere­det oder end­lich auch mal dar­über, was die Frei­wil­lig-Los-Dienst­ver­pflich­te­ten (oder so ähn­lich) drauf haben müs­sen, damit aus ihnen eine rich­ti­ge Armee wird?

Gelöb­nis. Nach einer – Zitat – »har­ten Aus­bil­dung« für den Heimatschutz.

In den aktu­el­len poli­ti­schen Debat­ten klingt das eigent­lich immer so: Wir brau­chen so und so vie­le, bekom­men die ganz bestimmt auch ohne prak­ti­zier­te Wehr­pflicht zusam­men. Fer­tig. Als wenn jeder, der (mehr oder weni­ger) will, auch alles in jeder Ver­wen­dung kann. Was nach­weis­lich nicht stimmt. Nie gestimmt hat. Oder haben sich Taug­lich­keits­gra­de erle­digt? Mus­te­rung ist also jetzt ver­zicht­bar, ja?

Und erst wenn das grund­sätz­lich geklärt ist, kommt das Mate­ri­al. Bis dahin herrscht vor allen Din­gen eines: Maxi­ma­le Ver­un­si­che­rung gepaart mit Angst und mit den ent­spre­chen­den Fol­gen.

Neben­bei gefragt: Was macht man denn eigent­lich mit den gan­zen Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rern, die in gro­ßer Zahl vor und nach Wie­der­ein­set­zung der Wehr­pflicht zu erwar­ten sind? Wer Wehr­dienst sagt, muss auch Zivil­dienst sagen. Oder etwa nicht? Bei der Gele­gen­heit könn­te man auch das The­ma »CIMIC« ganz oben auf die Tages­ord­nung set­zen. Oder ver­ta­gen wir das wie gehabt in eine Kom­mis­si­on – Start der zeit­na­he Bera­tun­gen 2047?

Gera­de recht­zei­tig kommt in die­ser Situa­ti­on eine recht aktu­el­le Ein­schät­zung aus kun­di­ger Quel­le (UniBw M), die glas­klar die immense Bedeu­tung von mili­tä­ri­scher Aus­bil­dung und Tak­tik nach­weist, die kaum oder gar nicht durch noch so gefin­kel­te Tech­nik zu erset­zen ist. 

Genau des­halb ist das Gefa­sel von Leu­ten wie Fal­ko Droß­mann[2]… kein Sturm­ge­wehr im Wald mehr …hoch­tech­no­lo­gisch unter­wegs nur schwer zu ertra­gen und ledig­lich immer noch – wie schon zu Zei­ten der unse­li­gen Ampel – bewusst dazu ange­tan, den (jun­gen) Leu­ten Sand in die Augen zu streu­en und sich vor not­wen­di­gen Ent­schei­dun­gen zu drü­cken. Er müss­te es eigent­lich bes­ser wissen.

Dabei ist der Sozi aller­dings genau auf Par­tei­li­nie. Die SPD, ins­be­son­de­re deren Jung­volk, glaubt die Armee mit eine »Attrak­ti­vi­täts­of­fen­si­ve« ertüch­ti­gen zu kön­nen und Nach­wuchs für den Arbeit­ge­ber Bun­des­wehr gewin­nen zu kön­nen. Ver­pflich­ten­der (Wehr-)Dienst ist da ein NoGo. Ganz so, als rede man hier über dro­hen­de Per­so­nal­pro­ble­me im Bäcker­hand­werk. Ein biss­chen Pazi­fis­mus ist wie ein biss­chen schwan­ger. Das funk­tio­niert nicht. Abwä­gen, nach­den­ken, sich Rat holen, in sich hin­ein­hö­ren, das Gewis­sen befra­gen ist selbst­re­dend mehr als nur okay, sogar not­wen­dig. Aber dann muss man eine Wahl tref­fen. So oder so. Ganz oder gar nicht. Im Krieg und höchs­ter Not bringt der Mit­tel­weg den Tod.

Und was hat das alles mit Gaza zu tun?

Erstaun­lich war viel­mehr, wie selbst eine kampf­erfah­re­ne Armee wie die IDF Defi­zi­te zeig­te – in Aus­bil­dung, Koor­di­na­ti­on und logis­ti­scher Durch­hal­te­fä­hig­keit. Auch die Kom­bi­na­ti­on aus High-Tech-Kill-Chains und impro­vi­sier­ter Low-Tech-Kriegs­füh­rung mach­te deut­lich: Tech­no­lo­gie ist kei­ne Abkür­zung für soli­de Ver­fah­ren und eine trag­fä­hi­ge Strategie.

Der Titel der schon erwähn­ten kon­zi­sen fach­li­chen Ana­ly­se: »URBAN WARFARE IN GAZA: ALLES WIE ERWARTET? Mili­tä­ri­sche Leh­ren aus einem hoch­in­ten­si­ven urba­nen Kon­flikt«.[3]Dazu passt: The End of the Deter­rence Stra­tegy in Gaza Erschie­nen ist sie in der CISS Munich Working Papers Series. CISS steht für das Cen­ter for Intel­li­gence & Secu­ri­ty Stu­dies an der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr in Mün­chen. Geschrie­ben hat sie ein Offi­zier der Spe­zia­li­sier­ten Kräf­te des Hee­res (EGB), der am CISS zu den The­men Urban War­fa­re und Mili­ta­ry Inno­va­ti­on forscht. Im Zuge sei­ner aka­de­mi­schen Arbeit schreibt er an einem Buch über „Krieg in Städten“.

Urbane Kriegsführung

»Der andau­ern­de Gaza-Krieg bestä­tigt bekann­te Mus­ter urba­ner Kriegs­füh­rung und offen­bart zugleich Schwä­chen selbst erfah­re­ner Armeen. Stadt­kampf bleibt infan­te­rie­zen­triert, risi­ko­reich und kom­plex. Moder­ne Tech­no­lo­gie allein ersetzt weder Aus­bil­dung noch Durch­hal­te­fä­hig­keit, und ohne poli­ti­sche Anschluss­stra­te­gie blei­ben mili­tä­ri­sche Erfol­ge wir­kungs­los. Für die Bun­des­wehr bedeu­tet das: Urba­ne Ope­ra­tio­nen müs­sen rea­li­täts­nah und ganz­heit­lich geübt wer­den – vom Gefecht der ver­bun­de­nen Waf­fen über den Kampf bei Nacht oder unter Tage, bis hin zur siche­ren Freund-Feind-Ken­nung in dyna­mi­schen Gefechts­la­gen. Tech­no­lo­gien braucht tak­tisch geschul­te Nut­zer, und Reser­ve­ver­bän­de müs­sen nicht nur ver­füg­bar, son­dern auch vor­be­rei­tet, gut geführt und voll inte­grier­bar sein.« (jw)

Hier sei nur die Zusam­men­fas­sung zitiert. Doch die gan­zen sie­ben Sei­ten sind klar­sich­tig geschrie­ben und auf den Punkt for­mu­liert. Wenn auch – bewusst – aus einem eher engen, rein mili­tä­ri­schen Blick­win­kel. Ein wohl­tu­en­der Gegen­satz zu dem gan­zen nebu­lö­sen Poli­ti­ker-Geschwa­fel mit dem ewi­gen »sowohl als auch« und »schau’n wir mal« und »…krie­gen wir alles hin… (Frak­ti­ons­chef Miersch, SPD), das wir nicht nur beim The­ma Wehr­pflicht, son­dern unter ande­rem auch bei ande­ren Fra­gen als Krieg und Frie­den zur Genü­ge kennen.

Sicher war in Ber­lin auch min­des­tens inof­fi­zi­ell die Amts­füh­rung von BMVg Boris Pis­to­ri­us (SPD) Gesprächs­the­ma, etwa der Aspekt »abhör­si­che­rer Digi­tal­funk«. Das Gesamt­bild die­ser Koali­ti­on schafft nicht gera­de Ver­trau­en. Auch kei­ne gestei­ger­te Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit. Und das in einer »dämm­ri­gen Über­gangs­zeit, in der es noch nicht Krieg, aber auch nicht mehr ganz Frie­den ist«. (Gene­ral­inspek­teur Cars­ten Breuer).

DPA mein­te zur Tagung gar: »Vie­le hoch­de­ko­rier­te Uni­for­men und Schul­ter­klap­pen mit gol­de­nen Ster­nen sind bei der Tagung zu sehen.« Ich per­sön­lich dach­te ja immer, dass nicht Uni­for­men und Schul­ter­klap­pen deko­riert wer­den, son­dern Sol­da­ten, also Men­schen, für geleis­te­te Diens­te. Die Zivil­ge­sell­schaft muss offen­bar noch viel lernen.

„Suche Frie­den und jage ihm nach.“

(Ps 34,15)

Wie pas­send übri­gens, dass am glei­chen Wochen­en­de die Tagung der EKD-Syn­ode beginnt – 9. bis 12. Novem­ber in Dres­den. Das Ober­the­ma lau­tet zwar »Kir­che und Macht«, aber es wäre schon sehr selt­sam, wenn es nicht auch vor­ran­gig um Krieg und Frie­den gin­ge. Wobei Krieg natür­lich auch eine spe­zi­el­le Form der Macht­aus­übung oder auch des Macht­miss­brauchs ist. Min­des­tens aber Ergeb­nis des poli­ti­schen Versagens.

Anmer­kun­gen

Anmer­kun­gen
1 So wie der wan­kel­mü­ti­ge, maxi­mal fle­xi­ble Vor­sit­zen­de des Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses, Tho­mas Röwekamp (CDU), der erst für die Mili­tär-Lot­te­rie war und dann schon bald plötz­lich dage­gen? Was glau­ben die­se Leu­te eigent­lich, wor­über wir hier reden? Das ist doch kein Spiel!
2 … kein Sturm­ge­wehr im Wald mehr …hoch­tech­no­lo­gisch unter­wegs
3 Dazu passt: The End of the Deter­rence Stra­tegy in Gaza

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