
Die ist ein komplizierter Ort geworden. Noch weniger einfach zu verstehen als immer schon. Gerade fragt man sich etwa, was Seeräuber, Drogenhändler, Diktatoren und der Friedensnobelpreis miteinander zu tun haben.
Schütten wir mal ein paar Namen in die Schüssel: Donald Trump, Maria Corina Machado, Nicolas Maduro, Juan Orlando Hernández, Juan Guaidó. Damit ist klar: Es geht um Venezuela (und ein bicchen Honduras). Vordergründig. Hintergründig geht es um Macht, Öl, Einflusszonen, Geld, strategische Erpressung, Seilschaften, Dreiecksbeziehungen.
Klar ist bei alle dem nicht so viel. Sicher ist: Trump möchte Maduro stürzen. Den Wahlbetrüger, den Autokraten. Normalerweise also jemand genau nach Trumps Geschmack. Das ist hier anders. Nicht klar ist, weshalb. Trump sagt, Maduro stecke hinter dem Drogenhandel, der den USA schade.
Nehmen wir an, das sei der Grund. Dann fragt sich allerdings, warum derselbe Trump den honduranischen Drogenhändler und Narco-Präsidenten Hernández begnadigt und freilässt. 1 2

Dann ist da die bei der Wahl »unterlegene« Maduro-Gegnerin Machado. In der jahrzehntelang eingeübten simplen Logik des deutscher Akademikernachwuchses – »Hasta la victoria Siempre!« ist sie also die Gute. Weil ja Maduro der Böse ist. Was wohl auch stimmt. Und dann wäre da noch in einer Nebenrolle Juan Guaidó, der mal als so etwas wie ein Hoffnungsträger für das Land galt. Imperfekt, wohlgemerkt. Trump aber scheint ihn zu mögen. Warum auch immer. Vielleicht so: Zwei Handpuppen sind besser als eine.
Aber wie war das noch? Der Feind unseres Feindes ist unser Freund, oder? Also wäre jetzt ja Trump unser Freund. Oder auch Maduro. Je nach Standpunkt. Logischerweise. Wollen wir das wirklich? Stimmt das überhaupt? Heillos verworren, das alles.

Nur wenige Medien thematisierten Machados Vorliebe für rechtsextreme Parteien und Figuren in Europa (sie hat intensive Kontakte mit Marine Le Pen in Frankreich und mit Exponenten der rechtsextremen Vox in Spanien), und noch weniger Journalisten nahmen sich die Mühe, die lobenden Worte Machados für Netanjahu respektive dessen Kriegführung im Gaza-Streifen zu hinterfragen. – journal21.ch
Und dann ist da noch der irritierende Umstand, dass Señora Machado dauernd voll des Lobes für Trump ist. Okay, das ließe sich damit begründen, dass er aus unschwer nachvollziehbaren Gründen Maduro chassen möchte. So wie sie auch. Und wir als anständige Demokraten sollten das ja auch wollen. Aber eigentlich müsste die Dame doch erkennen, dass dieser Trump eine verdammt zwielichtige Gestalt ist. Ist ja eigentlich nicht so schwer. Was also verbindet die beiden?

Die Liebe zu Venezuela? Wohl kaum. Und nicht nur, weil der Hegemon aus Washington gerade Venezolaner dutzendweise ohne jede Legitimation killen lässt und Tanker beschlagnahmt, um das Öl zu stehlen, müsste die Preisträgerin größten Abstand halten. Da Machado das ignoriert, eine Invasion ihres Landes gut fände3 und auch sonst seltsame Ansichten über weitere sinistre Typen der Weltgeschichte hegt, kommen wir zur alles entscheidenden Frage: Warum zum Teufel fand das Nobelpreis-Komitee es eine gute Idee, ihr den Friedensnobelpreis zu verleihen?4
Haben die in Oslo vielleicht zu heiß gebadet? Oder ist die Jury genau so verrückt geworden wie der Rest der Welt? Oder ist sie schlicht über den Tisch gezogen worden? Oder wird der Preis neuerdings gar gesponsort? So wie eine Fußball-WM vielleicht? 5
Denn am Ende ist vielleicht doch wieder alles ganz einfach: Venezuela wird verhökert. Oder jemand reißt es sich auf andere Weise, mit oder ohne Gewalt, unter den Nagel. 6 Das würde Alfred Nobel und Bertha von Suttner sicher gefallen, nehme ich an.
Willkommen in den Swinging Sixties…
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… der Unterschied zwischen einer ehrlichen Analyse und einem falschen und beleidigenden Narrativ.
Mehr zu den Hintergründen des Vorgehens der USA liefert dieser kundige Text.
- Staatlicher Drogen-Baron[↩]
- Drogenhändler, Rechtsanwalt, Politiker und ehemaliger Abgeordneter[↩]
- Call for military action[↩]
- Am Rande: Wer genau hat ihre Ausreise und den Transfer nach Oslo technisch bewerkstelligt? Die Reiseagentur in Langley, Virginia?[↩]
- »Das ist der Preis Norwegens, nicht unserer«[↩]
- Venezuela zum Verkauf[↩]

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