Zettelspieß

Firlefanz und Widersinn

Rhetorisch auf den Spuren Trumps – alles sehr komplex

Pari­ser Pos­sen: Rechts ein Staats­mann, im blau­en Anzug dane­ben ein Lulatsch, der ver­sucht, ein Staats­mann-Dar­stel­ler zu wer­den. Ganz links ein rich­ti­ger Soldat.

Er hat es schon wie­der getan. Obwohl es fak­tisch auch nach dem Tref­fen der »Wil­li­gen« in Paris gar kei­ne neue Lage gibt, schafft es der Bun­des­kanz­ler, den Ein­druck her­bei­zu­la­bern, er wol­le deut­sche Sol­da­ten in die Ukrai­ne schi­cken, das aber jetzt noch nicht so direkt sagen. 

Oder zumin­dest erst mal in NATO-Staa­ten in der Nähe (wo sie ja eh schon sind). Und um auch den Letz­ten garan­tiert zu ver­un­si­chern, fügt er noch hin­zu: »Ich will für mich sagen und auch für die Bun­des­re­gie­rung: Wir schlie­ßen dabei grund­sätz­lich nichts aus.« 

Die­ser Satz wur­de allein heu­te den gan­zen Tag zum Bei­spiel im Deutsch­land­funk zer­legt, gewo­gen, durch­leuch­tet und unter Hin­zu­zie­hung diver­sen Exper­tIn­nen gedeu­tet und gele­sen wie Hexen­spu­cke und Hasen­blut ver­rührt mit einer Hüh­ner­kral­le in einem Men­schen­schä­del. Ohne Ergeb­nis. Wie auch?

Das bedeu­tet, dass auch eine Sta­tio­nie­rung von Bun­des­wehr­sol­da­ten in der Ukrai­ne selbst nach einem unmit­tel­bar bevor­ste­hen­den mög­li­chen Waffenstillstand/​Friedensvertrag – also viel­leicht in 100 Jah­ren – nicht aus­ge­schlos­sen ist. 

Was aber ganz gewiss ist: der nächs­te Koali­ti­ons­krach. Ich den­ke: Die sind fer­tig mit­ein­an­der. Sie wol­len es nur nicht wahr­ha­ben. Und fürch­ten Neu­wah­len, natürlich.

Das Bild täuscht: Län­ge gibt sich als Grö­ße aus. Die wah­ren Macht­ver­hält­nis­se sind völ­lig andere.

Ich schla­ge vor, das war­ten wir mal gelas­sen ab. Pro­gno­se: Ehe das pas­siert, heißt der neue Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Rode­rich Kie­se­wet­ter und die neue Kanz­le­rin Agnes Strack-Zim­mer­mann. Im Kreuz­feu­er die­ser bei­den Sturm­ge­schüt­ze wäre Putin natür­lich sofort geliefert.

Sieht aus, als ver­su­che der Sau­er­län­der CDU-Poli­ti­ker sich in der Trump­schen Stra­te­gie: Nie kon­kret, immer nebu­lös, stets nur Andeu­tun­gen, immer im Unge­fäh­ren, immer unbe­re­chen­bar blei­ben, raf­fi­niert wackelnd den Geg­ner ver­un­si­chern. Klappt aber nicht. Der ver­un­si­chert nur alle ande­ren. Ganz schlech­tes Vor­bild, der Typ in den USA.

Nun wird er wie­der das tun, was er immer wie­der tun muss. Zurück­ru­dern, beschwich­ti­gen, erläu­tern, »Alles nicht so gemeint«, »Konn­te man miss­ver­ste­hen«, »Hät­te mich kla­rer aus­drü­cken sol­len« und so wei­ter und so fort… Alles wie gehabt. Es ermü­det langsam.

Gefasel und die Folgen

Der eine wie der ande­re lernt nicht das Gerings­te dazu. Gefa­sel­fol­gen­ab­schät­zung wäre wie­der mal ange­sagt. Fehl­an­zei­ge. Fra­ge am Ran­de: Womit haben wir eigent­lich die­sen Regie­rungs­chef ver­dient? 1

Das ist jetzt aber egal. Merz hat es bin­nen Sekun­den geschafft, ohne jede Not die Zahl der deut­schen Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer nach oben zu trei­ben und alle Anstren­gun­gen des BMVg Pis­to­ri­us zu tor­pe­die­ren. Der konn­te sicher sein Glück kaum fas­sen, eben­so wie der deut­sche Gene­ral­stab, und wird sei­nem Chef herz­lich gedankt haben. Der kriegs­tüch­ti­ge Sozi bemüht sich bekannt­lich gera­de, mehr jun­ge Leu­te dazu zu bewe­gen, frei­wil­lig den Vater­län­di­schen Rock über­zu­strei­fen. Sonst droht der ver­pflich­ten­de Wehrdienst.

Wer aber als jun­ger Mensch damit rech­nen muss – man kann’s ja laut Merz nicht aus­schlie­ßen -, in der Ukrai­ne in zwei­fel­los blu­ti­ge Gefech­te mit Kräf­ten der »Spe­zi­al­ope­ra­ti­on« zu gera­ten, wenn auch ohne eige­nes Zutun und an der Sei­te von Fran­zo­sen und Bri­ten, wird wohl dan­kend ableh­nen. Da nützt der Füh­rer­schein auf Staats­kos­ten dann auch nichts mehr. Mit der län­ge­ren Ver­pflich­tung als Zeit­sol­dat wird es dann wohl eben­falls nichts.

Viel­leicht außer den ganz har­ten Jungs und Mädels, die es in die Luft­lan­de­trup­pe etwa im Saar­land zieht. Da soll es ganz beschwingt zuge­hen, wie man hört. Ist ja auch Éli­te. Also mit das Bes­te, was wir sol­da­tisch so zu bie­ten haben.

  1. Na ja, nie­mand kann sagen, er wäre nicht gewarnt wor­den.[]

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