Zettelspieß

Firlefanz und Widersinn

This Is The Road To Hell

This ain’t no tech­no­lo­gi­cal break­down
Oh no, this is the road to Hell
And all the roads jam up with cre­dit
And there’s not­hing you can do.

So ein schö­ner Song – und so ein ver­dammt erns­tes, furcht­ein­flö­ßen­des The­ma. Jeden­falls wenn man die Zei­len in Bezie­hung setzt zu dem, was heu­te in atem­be­rau­ben­der Geschwin­dig­keit über uns hin­weg­kü­belt. »Künst­li­che Intel­li­genz«. Also im Grun­de so etwas wie Pro­gram­mier­tes Den­ken. Geführ­tes Fühlen. 

Noch ist es kein Tsu­na­mi. Aber viel fehlt nicht. Die Was­ser­li­nie zieht sich schon merk­lich zurück. Höchs­te Zeit, auf höher­ge­le­ge­nes Gelän­de zu zie­hen. Die Dyna­mik ist atemberaubend.

Subt­le (?) Brain­wa­sh. Mikro­ma­ni­pu­la­ti­on in Serie. Über­all. 24/​7/​365. Es wird nie wie­der aufhören. 

Wehr dich nicht. Dann wird es leich­ter für dich.

Wenn ich an die Kin­der und deren zumeist völ­lig unre­gu­lier­ten Medi­en­kon­sum den­ke, steigt Panik in mir auf. Und Wut. Auf die Pro­fi­teu­re die­ses Irr­sinns. Nichts als ver­damm­te Die­be sind das. Alle miteinander.

Eigent­lich sind Alo­rith­men Anlei­tun­gen für Com­pu­ter. Nicht für Men­schen. Eigentlich.

Der­zeit kommt das Orga­ni­sier­te Sim­pel­denk© – hier künf­tig OS genannt – für die meis­ten von uns im All­tag wohl als betreu­tes Suchen daher. Beim Online-Ein­kauf sowie­so, doch sogar bei eigent­lich bis­lang grund­an­stän­di­gen Maschi­nen wie bei­spiels­wei­se Duck­Duck­Go.

Blöd nur, dass die Such­ergeb­nis­se offen­sicht­lich immer belang­lo­ser wer­den. Hau­fen­wei­se gespons­or­tes, pseu­do­re­le­van­tes Zeug, was halt irgend­wel­che Algo­rith­men zusam­men­schei­ßen. Da kannst du scrol­len so viel du willst. Du ent­gehst dem nicht. Alles noch schlim­mer als immer schon.

Man spürt die Absicht und ist ver­stimmt. Mögen die Sei­ten dar­an ersticken …

„Fort­schritt braucht Weis­heit und Mut – Maschi­nen fehlt beides.“

Sarah Spie­ker­mann

Das­sel­be ist gele­gent­lich zu bemer­ken, wenn man Tex­te aus der Rat­ge­ber-Kate­go­rie »Wie du …« auf­merk­sam liest. Manch­mal erkennt man es erst an selt­sam unidio­ma­ti­schen Über­set­zun­gen – Maschi­nen sind halt ein­fäl­tig, doof, neh­men alles 1:1. Doch im Grun­de wir­ken sol­che Tex­te bei­na­he authen­tisch. Sind sie aber nicht.

Das ist zwei Aspek­te unter vie­len. Ein ande­rer, der mich als Foto­graf eben­falls schwer umtreibt, ist das Ein­si­ckern der AI/​KI in fast alle Pro­gram­me zur Foto- bzw. Bildbearbeitung.

Ich wer­de immer miss­traui­scher. Wenn ein Bild irgend­wo im Netz zu clean, zu gut aus­sieht, um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr. Bis zum Beweis des Gegen­teils. Ver­trau­en geht anders. Aber ich kann es auch nicht mehr ändern. Die Defor­ma­ti­on fin­det statt. in jedem von uns. So auch in mir.

Her mit den Zehn Geboten

Die KI-strot­zen­den Apps sind kei­ne Hel­fer­lein für Macher mehr, wie uns man­che weis­ma­chen wol­le. Die das Aus­fle­cken und die sanf­te Retu­sche erleich­tern. Das sind mäch­ti­ge Mecha­nis­men, die mit ihren see­len­lo­sen mani­pu­la­ti­ven Ein­grif­fen, wenn man es wei­ter­denkt, das Ende jeder Krea­ti­vi­tät und damit auch der Foto­gra­fie bedeu­ten. Unter ande­rem. Nach Musi­kern, Über­set­zern, Syn­chron­spre­chern, Desi­gnern, Web­ent­wick­lern, Lek­to­ren, Rezept­ent­wick­lern, und und und …

Ich habe noch kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, wie ich damit umge­hen soll oder wer­de. Nicht bei der Foto­gra­fie, nicht bei allem anderen.

Viel­leicht weiß Sarah Spie­ker­mann schon mehr.1 Viel­leicht brau­chen wir tat­säch­lich so etwas wie die Zehn Gebo­te für die höl­li­sche Maschinendenke.

  1. Infor­ma­ti­ke­rin Sarah Spie­ker­mann über Zehn Gebo­te für KI und Digi­ta­li­sie­rung[]